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KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 80

KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 80

Wer die CO2-Bilanz erst am Ende der Planung berechnet, verliert die besten Chancen, sie zu senken

97 % der deutschen Bauunternehmen halten KI laut aktuellem KPMG-Branchenreport Bauwirtschaft 2026 für wichtig fürs eigene Geschäftsmodell, 93 % haben bereits eine KI-Strategie. Bei einem Thema hinkt diese Strategie aber oft hinterher: der CO2-Bilanz eines Gebäudes. Wer sie erst nach der Entwurfsphase berechnen lässt, hat die güns­tigsten Stellschrauben schon zugebaut.

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ANALYSE: CAALA

Grund für die Nachlässigkeit ist oft schlicht der Zeitpunkt: Die Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) wird meist erst kurz vor der Zertifizierung erstellt – wenn Grundriss, Tragwerk und Materialwahl längst feststehen. Genau dann sind die güns­tigsten Hebel (Massivbau vs. Holzhybrid, Dämmstoffwahl, Konstruktionstiefe) aber bereits verbaut. Gleichzeitig wird die Ökobilanz für Förderungen relevanter: Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) verlangt eine vollständige LCA nach DIN EN 15978 – ohne sie keine Förderfähigkeit.

Das Münchner Unternehmen CAALA bietet dafür ein CAD-Plug-in (Revit, ArchiCAD), das CO2-Emissionen, Energiebedarf und Lebenszykluskosten in Echtzeit während des Entwurfs berechnet – nicht erst am Ende. Planer sehen direkt, wie sich eine Konstruktionsänderung auf die Ökobilanz auswirkt, und können Varianten (z. B. Massivbau gegen Holz-Hybrid) noch vergleichen, während am Entwurf tatsächlich etwas zu ändern ist. Die Software ist zudem für den QNG-Bilanzierungsprozess vom BBSR anerkannt.

Auf einen Blick

✓ Echtzeit-Feedback zu CO2, Energie und Lebenszykluskosten direkt im CAD-Modell

✓ Variantenvergleich schon in der Entwurfsphase, nicht erst zur Zertifizierung

✓ Für QNG-Bilanzierung anerkannt (BBSR-Rechenwert-Tabelle)

Kurz erklärt: Ökobilanz / LCA

Eine Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) rechnet aus, wie viel CO2 und Energie ein Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus verursacht – von der Herstellung der Baustoffe über 50 Jahre Betrieb bis zum Rückbau. Der Teil, der bei der Planung am leichtesten übersehen wird, sind die "grauen Emissionen": CO2, das schon bei Herstellung und Transport der Baustoffe entsteht, bevor das Gebäude überhaupt steht.

Nicht unumstritten: Für CAALA sind aktuell keine unabhängigen Nutzerbewertungen auf Capterra oder G2 auffindbar – die Erfahrungsbasis außerhalb der Referenzprojekte des Anbieters selbst ist damit dünn. Wichtiger: Das Tool liefert belastbare Richtwerte für die Entwurfsphase, ersetzt aber nicht die formale, zertifizierte Ökobilanz nach DIN EN 15978, die für die tatsächliche QNG-Förderzusage nötig ist – eine unabhängige Prüfung bleibt zusätzlich Pflicht.

Handlungsempfehlung

Bei jedem Neubauprojekt, für das eine QNG-Förderung infrage kommt: Vor Abschluss der Entwurfsplanung klären, ob eine CAD-integrierte LCA-Vorprüfung sinnvoll ist – die güns­tigsten CO2-Hebel liegen genau in dieser Phase, nicht danach.

→ CAALA Software ansehen

Haben Sie Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Tools? Schreiben Sie es in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und greife interessante Praxisberichte in einer der nächsten Ausgaben auf.

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Bund macht KI für Baugenehmigungen als Open Source verfügbar

Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat im Rahmen des Projekts SPARK mehrere KI-Module veröffentlicht, die Behörden bei Planungs- und Genehmigungsverfahren unterstützen – unter anderem zur automatisierten Extraktion relevanter Angaben aus Antragsunterlagen. Der Code steht auf der Plattform openCode frei zur Verfügung. SPARK wurde im Februar 2026 beim World Government Summit in Dubai als "Best Use of AI in Government Services" ausgezeichnet. Für Bauunternehmen relevant, weil schnellere Sachbearbeitung bei den Behörden direkt kürzere Wartezeiten auf die eigene Genehmigung bedeuten kann.

Lokale KI-Box für Baubetriebe gewinnt Constantinus Award

Die Wiener SEQIS Group hat mit razzfazz.ai eine KI-Box entwickelt, die sensible Unternehmensdaten – etwa Kalkulationen oder Leistungsverzeichnisse – direkt im eigenen Netzwerk verarbeitet, statt sie in eine Cloud zu schicken. Dafür wurde das Projekt 2026 mit dem Constantinus Award ausgezeichnet. Ergänzt die in Ausgabe 79 vorgestellte Perspektive auf lokale KI-Wissensverarbeitung um eine reine Hardware-Appliance-Variante.

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Quellen

caala.de – Produktseite CAALA Software

gebaeudeforum.de – Übersicht LCA-Bilanzierungssoftware und QNG-Anforderungen

bau-master.com – KPMG-Branchenreport Bauwirtschaft 2026 (KI-Strategie-Quote)

it-daily.net – SPARK Open-Source-KI-Module (BMDS)

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