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KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 70

KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 70

Wer Bewehrungsstahl noch von Hand bindet, verheizt seine Fachkräfte an die härteste Arbeit der Baustelle

In Deutschland fehlen nach Branchenschätzungen über 200.000 Fachkräfte am Bau – und ausgerechnet eine der körperlich härtesten Tätigkeiten auf jeder Baustelle bleibt fast überall reine Handarbeit: das Verknüpfen von Bewehrungsstahl. Stundenlanges Bücken, Drahtverknoten bei jedem Wetter, ein Knieschaden, der nach 20 Berufsjahren fast garantiert ist. Genau hier setzt ein US-Robotik-Duo an, das inzwischen über vier Millionen Verknüpfungen auf realen Baustellen hinter sich hat.

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Analyse: TyBOT & IronBOT

Das US-Unternehmen Advanced Construction Robotics (ACR, Pittsburgh) hat zwei Roboter entwickelt, die genau diese Arbeit übernehmen. TyBOT verknüpft autonom die Kreuzungspunkte von Bewehrungsstahl – ohne dass jemand vorher Positionen einprogrammiert. Der Roboter findet die Kreuzungen selbst, positioniert sich selbst und verknotet selbst, bis zu 1.200 Verbindungen pro Stunde, bei jedem Wetter, Tag und Nacht. Sein neuerer Partner IronBOT, seit März 2026 auf dem Markt, übernimmt das Heben und Platzieren ganzer Bewehrungsbündel bis rund 2.270 Kilogramm. Zusammen als „BOT Bundle“ genutzt, haben beide bei einem Brückenprojekt in Florida die geplante Bauzeit für die Bewehrungsverlegung von 14 auf 7 Tage halbiert.

Auf einen Blick:

• TyBOT: bis zu 1.200 Verknüpfungen/Stunde, einsatzbereit innerhalb von 1–2 Stunden, keine Vorprogrammierung nötig

• IronBOT: bis zu rund 2.270 kg Bewehrungsstahl pro Stunde heben, tragen und platzieren

• Kombiniert: rund 50 % Zeitersparnis bei der Bewehrungsverlegung laut Herstellerangabe

• Über 4 Millionen Verknüpfungen und mehr als 35 abgeschlossene Projekte, u. a. NASA Causeway Bridge Replacement (Florida)

In der Schweiz verfolgt das ETH-Zürich-Spin-off MESH (Kanton Aargau) ein verwandtes Ziel mit anderem Ansatz: Statt direkt auf der Baustelle zu arbeiten, automatisiert MESH die Fertigung kompletter Bewehrungskörbe in Werkshallen für die Vorfertigung – über eine Million verbaute Bewehrungselemente, unter anderem für den zweiten Gotthard-Straßentunnel. Der Unterschied: MESH setzt am Fertigteilwerk an, TyBOT und IronBOT direkt am Ort des Betoneinbaus, wenn die Bewehrung bereits von Hand vorpositioniert wurde. Für DACH-Bauunternehmen mit klassischem Ortbeton-Anteil bleibt ACRs Ansatz damit bislang der einzige verfügbare, auch wenn er nicht aus der Region stammt.

Ein Vorbehalt: ACR selbst empfiehlt den Einsatz von TyBOT erst ab Projekten von rund 2.300 Quadratmetern Bewehrungsfläche aufwärts – kleinere Baustellen dürften sich wirtschaftlich schwerer rechnen. Hinzu kommt: Es gibt aktuell keinen Vertriebs- oder Servicepartner in DACH, Bestellung, Schulung und Support laufen ausschließlich auf Englisch direkt mit dem US-Anbieter.

Handlungsempfehlung: Für Bauunternehmen mit regelmäßigem Ortbeton-Großprojekt (Brücken, Infrastruktur, große Deckenflächen) lohnt sich ein direkter Kontakt zu ACR – TyBOT ist seit 2025/2026 nicht mehr nur als Robotics-as-a-Service, sondern auch im Direktkauf erhältlich, inklusive Schulung. Realistisch ist der Einstieg aktuell eher für größere Bauunternehmen mit US-Projektbezug oder Interesse an einer frühen Testkooperation.

→ TyBOT im Detail
→ IronBOT im Detail
→ Video: TyBOT & IronBOT im Einsatz

Haben Sie Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Tools? Schreiben Sie es in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und greife interessante Praxisberichte in einer der nächsten Ausgaben auf.

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