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ANALYSE: NAVVIS
Ein Bauleiter, ein Architekt und ein Nachunternehmer stehen auf derselben Baustelle – und beziehen sich auf drei unterschiedliche Planstände. Das kostet Nachbesserungen, verlängert Abnahmen und macht Nachtragsstreit wahrscheinlicher. Der Grund ist simpel: Zwischen zwei offiziellen Vermessungsterminen liegen oft Wochen, in denen sich auf der Baustelle längst wieder etwas verändert hat.
Genau hier setzt NavVis an, ein Technologieunternehmen aus München. Ein Mitarbeiter läuft mit einem tragbaren Scanner (NavVis VLX oder MLX) durch das Gebäude oder über die Baustelle – ausgestattet mit Lasersensoren, die den Raum in Sekundenbruchteilen vermessen. Aus diesen Daten entsteht in der Cloud-Plattform NavVis IVION ein begehbarer, vermessungsgenauer Abbild des Ist-Zustands, das jeder Projektbeteiligte im Browser öffnen kann – ohne eigene Software zu installieren. Am 6. August 2026 hat NavVis dafür eine Series-D-Finanzierungsrunde über 85 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von der US-Beteiligungsgesellschaft The Jordan Company, mit Beteiligung der bestehenden Investoren Yttrium, Kozo Keikaku Engineering und Cipio Partners.
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Was das laut NavVis konkret bringt
• Bis zu zehnmal schnellere Erfassung als klassisches terrestrisches Laserscanning
• 10 Prozent weniger Nacharbeit laut eigenen Angaben auf der Branchenseite Bau
• 50 Prozent weniger notwendige Baustellenbesuche laut derselben Quelle
• Über 150.000 Nutzer aus Bauwesen, Anlagenbau und Instandhaltung laut Unternehmensangaben
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Kurz erklärt: Was ist „Reality Capture“?
Reality Capture [wörtlich: „Wirklichkeitserfassung“] bedeutet, einen realen Ort mit Laserscannern und Kameras so präzise zu vermessen, dass daraus ein digitales Abbild entsteht – vergleichbar mit einem extrem detaillierten 3D-Foto des kompletten Raums. Anders als ein einmaliger Plan lässt sich dieses Abbild beliebig oft aktualisieren: Nach jedem neuen Scan zeigt es genau, wie die Baustelle heute aussieht, nicht wie sie vor sechs Wochen aussah.
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dTwin aus Ausgabe 51/52 (Nemetschek) und oculai aus Ausgabe 61 lösen ein ähnlich gelagertes Problem – den Abgleich zwischen Plan und Baustellenrealität. Der Unterschied zu NavVis: dTwin arbeitet als reine Software auf Basis bereits vorhandener BIM-Planungsdaten, oculai ist eine fest installierte, kranmontierte Kamera, die ausschließlich Baufortschritt automatisiert erkennt. NavVis dagegen erfasst den Ist-Zustand mobil und unabhängig von vorhandenen Planungsdaten, branchenübergreifend auch außerhalb von Baustellen – der Nutzen liegt zuerst in der verlässlichen Bestandsdokumentation, nicht in der automatisierten Fortschrittsanalyse selbst.
Nicht unumstritten: Die auf der eigenen Website genannten Referenzkunden – Automobilkonzerne, Ölraffinerien, große Industrieanlagenbetreiber – zeigen deutlich, dass das System bislang vor allem für große, durchlaufende Projektvolumen ausgelegt ist. Für einen kleineren Mittelstandsbetrieb mit wenigen Projekten im Jahr dürfte sich die Investition in Scanner und Cloud-Abonnement schwerer rechnen als für einen Generalunternehmer mit ständigem Projektnachschub. NavVis selbst betont zudem, das frische Kapital vor allem für die Expansion in den US-Markt einzusetzen – DACH-Kunden sollten also nicht automatisch mit einem regionalen Vertriebsausbau rechnen.
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Handlungsempfehlung
Wenn bei Ihnen regelmäßig Streit um den tatsächlichen Baufortschritt oder unklare Bestandsdaten bei Bestandsgebäuden entsteht: Prüfen Sie, ob ein einzelner Scan-Durchlauf zu Projektbeginn oder bei der nächsten größeren Begehung den Streitfall künftig vermeidet. Für den Einstieg reicht ein Gespräch mit dem NavVis-Vertrieb, ganz ohne eigene Hardware-Investition – ein Scan lässt sich auch als Dienstleistung buchen.
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→ Zur Meldung über die Finanzierungsrunde
Haben Sie Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Tools? Schreiben Sie es in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und greife interessante Praxisberichte in einer der nächsten Ausgaben auf.
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