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KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 63

KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 63

Wer Bauverträge nur einmal quer liest, unterschreibt Klauseln, die ihn später fünfstellig kosten

Ein zu hoch angesetzter Vertragsstrafen-Passus, eine stillschweigend vereinbarte fiktive Abnahme, ein Nachtrag ohne saubere VOB/B-Referenz [Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil B], der deshalb abgelehnt wird: Solche Klauseln kosten Bauunternehmen im Streitfall regelmäßig fünf- bis sechsstellige Beträge pro Projekt. Trotzdem werden sie unterschrieben, weil eine anwaltliche Prüfung jedes 20- bis 50-seitigen Werkvertrags im Tagesgeschäft schlicht zu teuer und zu langsam ist.

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Analyse: KI-Vertragsprüfung für Bauverträge

Genau hier setzt Dora an, einer von drei KI-Agenten der Plattform BAU AI (BAU AI GmbH, gehostet in Frankfurt am Main). Dora liest Werkverträge, Nachträge und AGB [Allgemeine Geschäftsbedingungen] hoch, extrahiert alle Klauseln, ordnet sie nach VOB/B-Struktur und gleicht sie gegen BGB [Bürgerliches Gesetzbuch], HOAI [Honorarordnung für Architekten und Ingenieure] und BGH-Rechtsprechung [Bundesgerichtshof-Urteile] ab. Kritische Klauseln werden laut Anbieter in unter 10 Sekunden markiert, jede Aussage mit konkreter Urteils-Fundstelle. Zusätzlich prüft Dora Leistungsverzeichnisse im GAEB-Standard [Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen – Datenaustauschformat für Leistungsverzeichnisse] Position für Position auf fehlende Mengen, unklare Beschreibungen und Widersprüche zum Vertrag.

Vom Risiko zur Verhandlungsposition

Erkennt Dora eine unwirksame oder ungünstige Klausel, generiert das System direkt einen strukturierten Verhandlungs-Brief mit konkretem Gegenvorschlag und juristischer Begründung – versandfertig an den Auftraggeber. Bei Nachträgen prüft Dora automatisch, ob der Anspruch nach § 2 Abs. 5 VOB/B (geänderte Leistung) oder Abs. 6 (Zusatzleistung) begründet ist, und berechnet die erwartete Mehrvergütung direkt im Befund.

Angaben des Anbieters (validiert gegen 12.000+ reale Bauverträge):

• Unter 10 Sekunden Reaktionszeit pro Vertragsklausel

• 96 % Präzision bei der Risikoerkennung

• 82 % weniger Zeit pro Vertragsanalyse

• 5–7 % durchschnittlich geschützte Projektmarge pro Vertrag

Kurz erklärt: GAEB und § 2 VOB/B

GAEB ist das Standardformat, in dem Leistungsverzeichnisse zwischen Auftraggeber, Planungsbüro und Bauunternehmen elektronisch ausgetauscht werden – vergleichbar mit einem einheitlichen Dateiformat, das jede Baubeteiligte Software lesen kann. § 2 VOB/B regelt, wann ein Nachtrag Geld wert ist: Abs. 5 greift, wenn sich eine bereits vereinbarte Leistung ändert (z. B. andere Bodenklasse), Abs. 6, wenn eine ganz neue Zusatzleistung hinzukommt (z. B. eine zusätzliche Brandschutzwand). Ohne die richtige Referenz auf einen dieser beiden Absätze wird ein Nachtrag in der Praxis häufig abgelehnt, selbst wenn er inhaltlich berechtigt ist.

Capmo aus Ausgabe 18 war schon in eine ähnliche Richtung unterwegs: Das Tool prüft Nachträge gegen VOB und unterstützt bei der Dokumentation im laufenden Projekt. Der Unterschied zu Dora: Capmo ist auf das Nachtragsmanagement im Baustellenalltag ausgerichtet, Dora deckt zusätzlich die vorgelagerte Prüfung des kompletten Werkvertrags samt AGB-Kontrolle und Leistungsverzeichnis ab – inklusive automatisch generiertem Verhandlungs-Brief, bevor überhaupt unterschrieben wird.

International zieht nach – DACH ist hier vorn

In den USA verfolgt Document Crunch (seit April 2026 Teil von Trimble) einen ähnlichen Ansatz: KI-gestützte Risikoanalyse von Bauverträgen, bereits auf über 10.000 Projekten im Einsatz. Das Tool ist laut Anbieter aktuell aber ausschließlich für nordamerikanische Auftragnehmer verfügbar und kennt weder VOB/B noch BGH-Rechtsprechung. Dora ist DACH-nativ konzipiert – inklusive ÖNORM B 2110 für Österreich – und für deutsche Bauunternehmen damit direkt einsetzbar, ohne Umweg über ein US-Produkt.

Nicht unumstritten: BAU AI selbst gibt an, dass DSGVO-Konformität, ISO 27001 [Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme] und EU-AI-Act-Konformität aktuell noch „in Vorbereitung bzw. Umsetzung" sind, nicht bereits vollständig zertifiziert – die technischen und organisatorischen Maßnahmen seien laut Anbieter zwar implementiert, die formalen Nachweise laufen aber noch. Öffentliche Preise gibt es ebenfalls nicht; die Lizenzierung erfolgt nach Unternehmensgröße und Vertragsvolumen, konkrete Zahlen nur nach einem Demo-Termin.

Handlungsempfehlung

Vor dem nächsten Werkvertrag oder Nachtrag: 7 Tage kostenlos testen (keine Kreditkarte nötig) und den aktuellen Vertrag durch Dora laufen lassen – am besten im Vergleich zu einer bereits abgeschlossenen anwaltlichen Prüfung, um die Trefferquote selbst einzuschätzen. Demo-Termin unter cal.com/tushar-adsul-5mkjik/30min, Testzugang unter bauaiapp.de/auth/signup.

Haben Sie Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Tools? Schreiben Sie es in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und greife interessante Praxisberichte in einer der nächsten Ausgaben auf.

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EU AI Act: Seit 2. August 2026 gelten neue Kennzeichnungspflichten

Seit dem 2. August 2026 müssen KI-Systeme, die direkt mit Menschen interagieren (z. B. ein Chatbot auf der Firmenwebsite), sich als KI zu erkennen geben; KI-generierte Texte, Bilder und Videos müssen maschinenlesbar gekennzeichnet werden. Die aufwendigeren Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme wurden dagegen per „Digital Omnibus on AI" auf den 2. Dezember 2027 (eigenständige Systeme) bzw. 2. August 2028 (in Produkte eingebettete KI) verschoben. Für Bauunternehmen betrifft das z. B. automatisiert erstellte Exposé- oder Angebotstexte und Werbematerial. Bußgeldrahmen im Regelfall: bis 15 Mio. Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes. In Deutschland wird die Bundesnetzagentur zentrale Aufsichtsbehörde.

Mauerroboter Monumental (Ausgabe 10) sammelt 32 Mio. USD ein und startet in den USA

Das Amsterdamer Unternehmen Monumental, das FachKI bereits in Ausgabe 10 vorgestellt hat, hat eine Series-B-Runde über 32 Millionen US-Dollar unter Führung von Khosla Ventures abgeschlossen. Mit dem Kapital soll die europäische Flotte (aktuell über 150 Roboter auf aktiven Baustellen) ausgebaut und ein Markteintritt in den USA (Texas, Florida, Virginia, Arizona) finanziert werden. Die autonomen, elektrischen Mauerwerksroboter arbeiten wie ein spezialisiertes Subunternehmen und übernehmen repetitive Mauerarbeiten, während Fachkräfte sich auf Detailarbeit konzentrieren – als Antwort auf den branchenweiten Fachkräftemangel, nicht als Ersatz für ganze Kolonnen.

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Quellen

BAU AI: Dora – KI-Vertragsanalyse für VOB, BGB & HOAI

Trimble: Acquisition of Document Crunch (Pressemitteilung)

Governance AI: EU AI Act seit 2. August 2026 – was gilt, was verschoben ist

Fortune: Monumental raises $32 million from Khosla Ventures

Impressum · Datenschutz · Günther Prell, Hochvogelweg 5, 84034 Landshut

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