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ANALYSE: GRAVIS ROBOTICS
Die Produktivität im Erdbau stagniert seit Jahrzehnten, während erfahrene Baggerfahrer in Rente gehen und kaum Nachwuchs nachrückt. Genau an diesem Engpass setzt ein Zürcher ETH-Spin-off an – und zieht damit gerade das Interesse eines der größten Robotik-Investoren der Welt auf sich.
Gravis Robotics, 2022 aus dem Robotic Systems Lab der ETH Zürich ausgegründet, baut kein neues Baufahrzeug, sondern rüstet vorhandene Bagger und Radlader nach. Das Kit heißt Rack: ein Dachaufbau mit LiDAR [Laser-Abstandsmessung], Kameras, GNSS-Positionierung [satellitengestützte Standortbestimmung] und Hydrauliksensorik, der die Maschine „den Boden fühlen" lässt und sich an wechselnde Erdreichbedingungen anpasst. Gesteuert wird das Ganze über Slate, ein robustes Tablet, mit dem Baggerführer zwischen manuellem Betrieb, unterstützter Steuerung und voller Autonomie wechseln.
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Auf einen Blick:
• Bis zu 30 % höhere Flächenleistung laut Hersteller, gemessen in Benchmark-Einsätzen
• Kompatibel mit über einem Dutzend Maschinenmarken, u. a. Hitachi, HD Hyundai Develon, CNH, Menzi Muck
• Im aktiven Einsatz in der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden, Japan, UK und den USA
• Deutschland/Österreich/Polen-Vertrieb über KTEG, ein Joint Venture des Hitachi-Händlers mit Hitachi Construction Machinery
• 23 Mio. USD Finanzierungsrunde im November 2025, u. a. mit Baustoffkonzern Holcim als Investor
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Kurz erklärt: Was ist ein Retrofit-Autonomiekit?
Stellen Sie sich einen Tempomat vor, der nicht nur Gas und Bremse übernimmt, sondern über Kameras und Sensoren auch erkennt, wie hart oder weich der Untergrund gerade ist, und die Bewegung entsprechend anpasst. Nichts anderes macht ein Retrofit-Autonomiekit für einen Bagger: Statt eine komplett neue, autonome Maschine zu kaufen, wird ein vorhandener Bagger mit Sensorik und Steuerungs-Elektronik nachgerüstet. Die Maschine bleibt dieselbe, sie bekommt nur ein „Gehirn" hinzu, das Teilaufgaben eigenständig übernehmen kann, während ein Bediener die Übersicht behält.
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Praktisch zeigt sich das bereits im Feldeinsatz: Bei einer Vorführung mit dem Hitachi-Partner KTEG grub ein batteriebetriebener Hitachi-Bagger ZE135 nach Instruktion per Tablet selbständig einen Graben. Der Baustoffkonzern Holcim setzt Gravis-Systeme in Steinbrüchen für Materialumschlag und Lagerplatzverwaltung ein. In Großbritannien lief ein erster Feldversuch mit einem autonomen Bagger beim Bau eines Parkhauses am Flughafen Manchester.
Nicht unumstritten: Für Maschinen mit rein mechanischen Pilotventilen – also viele ältere Bagger – reicht das Rack laut Herstellerangaben nicht ohne Weiteres aus. Diese Modelle benötigen zusätzlich ein nachgerüstetes elektrohydraulisches Ventil, eingebaut über einen Hydraulik-Fachbetrieb oder das Gravis-Partnernetzwerk – ein zusätzlicher Aufwand, der bei der Kalkulation nicht vergessen werden darf. Hinzu kommt: Eine öffentliche Preisliste gibt es nicht, und die laufenden, bislang unbestätigten Übernahmegespräche mit SoftBank sorgen für Unsicherheit darüber, wie sich Preisgestaltung und Support unter einem neuen Eigentümer entwickeln würden.
Referenzkunden wie Holcim oder große britische Bauunternehmen sind Großbetriebe mit entsprechend großen Flotten. Ob sich die Investition für einen Mittelständler mit ein oder zwei Baggern schon rechnet, lässt sich pauschal nicht beantworten – das hängt stark von Einsatzhäufigkeit und Aufgabentyp ab.
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Handlungsempfehlung:
Wenn Sie eine größere Baggerflotte betreiben: Prüfen Sie, ob Ihre Maschinen elektrohydraulisch steuerbar sind (Auskunft gibt Ihr Händler), und fragen Sie bei Gravis direkt oder über KTEG als Hitachi-Partner für Deutschland, Österreich und Polen eine Vorführung an. Für kleinere Betriebe lohnt sich zunächst der Blick auf die Wirtschaftlichkeitsrechnung Ihres Händlers, bevor eine konkrete Anfrage sinnvoll ist.
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Technische Details zum Gravis Rack | Direktkontakt zu Gravis Robotics
Haben Sie Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Tools? Schreiben Sie es in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und greife interessante Praxisberichte in einer der nächsten Ausgaben auf.
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