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Gravis Robotics

KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 62

KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 62

500 Millionen Dollar für ein Nachrüstteil an Ihrem Bagger – was steckt dahinter?

Der japanische Investor SoftBank prüft laut Bloomberg die Übernahme eines Zürcher Start-ups, das gewöhnliche Bagger per Nachrüstkit selbst fahren lässt – zu einem Preis von über 500 Millionen US-Dollar. Was auf den ersten Blick wie eine reine Finanznachricht wirkt, ist für Bauunternehmen mit eigenem Maschinenpark ein sehr konkretes Signal: Die Technik dahinter ist heute bereits bestellbar, nicht nur eine Ankündigung.

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ANALYSE: GRAVIS ROBOTICS

Die Produktivität im Erdbau stagniert seit Jahrzehnten, während erfahrene Baggerfahrer in Rente gehen und kaum Nachwuchs nachrückt. Genau an diesem Engpass setzt ein Zürcher ETH-Spin-off an – und zieht damit gerade das Interesse eines der größten Robotik-Investoren der Welt auf sich.

Gravis Robotics, 2022 aus dem Robotic Systems Lab der ETH Zürich ausgegründet, baut kein neues Baufahrzeug, sondern rüstet vorhandene Bagger und Radlader nach. Das Kit heißt Rack: ein Dachaufbau mit LiDAR [Laser-Abstandsmessung], Kameras, GNSS-Positionierung [satellitengestützte Standortbestimmung] und Hydrauliksensorik, der die Maschine „den Boden fühlen" lässt und sich an wechselnde Erdreichbedingungen anpasst. Gesteuert wird das Ganze über Slate, ein robustes Tablet, mit dem Baggerführer zwischen manuellem Betrieb, unterstützter Steuerung und voller Autonomie wechseln.

Auf einen Blick:

• Bis zu 30 % höhere Flächenleistung laut Hersteller, gemessen in Benchmark-Einsätzen

• Kompatibel mit über einem Dutzend Maschinenmarken, u. a. Hitachi, HD Hyundai Develon, CNH, Menzi Muck

• Im aktiven Einsatz in der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden, Japan, UK und den USA

• Deutschland/Österreich/Polen-Vertrieb über KTEG, ein Joint Venture des Hitachi-Händlers mit Hitachi Construction Machinery

• 23 Mio. USD Finanzierungsrunde im November 2025, u. a. mit Baustoffkonzern Holcim als Investor

Kurz erklärt: Was ist ein Retrofit-Autonomiekit?

Stellen Sie sich einen Tempomat vor, der nicht nur Gas und Bremse übernimmt, sondern über Kameras und Sensoren auch erkennt, wie hart oder weich der Untergrund gerade ist, und die Bewegung entsprechend anpasst. Nichts anderes macht ein Retrofit-Autonomiekit für einen Bagger: Statt eine komplett neue, autonome Maschine zu kaufen, wird ein vorhandener Bagger mit Sensorik und Steuerungs-Elektronik nachgerüstet. Die Maschine bleibt dieselbe, sie bekommt nur ein „Gehirn" hinzu, das Teilaufgaben eigenständig übernehmen kann, während ein Bediener die Übersicht behält.

Praktisch zeigt sich das bereits im Feldeinsatz: Bei einer Vorführung mit dem Hitachi-Partner KTEG grub ein batteriebetriebener Hitachi-Bagger ZE135 nach Instruktion per Tablet selbständig einen Graben. Der Baustoffkonzern Holcim setzt Gravis-Systeme in Steinbrüchen für Materialumschlag und Lagerplatzverwaltung ein. In Großbritannien lief ein erster Feldversuch mit einem autonomen Bagger beim Bau eines Parkhauses am Flughafen Manchester.

Nicht unumstritten: Für Maschinen mit rein mechanischen Pilotventilen – also viele ältere Bagger – reicht das Rack laut Herstellerangaben nicht ohne Weiteres aus. Diese Modelle benötigen zusätzlich ein nachgerüstetes elektrohydraulisches Ventil, eingebaut über einen Hydraulik-Fachbetrieb oder das Gravis-Partnernetzwerk – ein zusätzlicher Aufwand, der bei der Kalkulation nicht vergessen werden darf. Hinzu kommt: Eine öffentliche Preisliste gibt es nicht, und die laufenden, bislang unbestätigten Übernahmegespräche mit SoftBank sorgen für Unsicherheit darüber, wie sich Preisgestaltung und Support unter einem neuen Eigentümer entwickeln würden.

Referenzkunden wie Holcim oder große britische Bauunternehmen sind Großbetriebe mit entsprechend großen Flotten. Ob sich die Investition für einen Mittelständler mit ein oder zwei Baggern schon rechnet, lässt sich pauschal nicht beantworten – das hängt stark von Einsatzhäufigkeit und Aufgabentyp ab.

Handlungsempfehlung:

Wenn Sie eine größere Baggerflotte betreiben: Prüfen Sie, ob Ihre Maschinen elektrohydraulisch steuerbar sind (Auskunft gibt Ihr Händler), und fragen Sie bei Gravis direkt oder über KTEG als Hitachi-Partner für Deutschland, Österreich und Polen eine Vorführung an. Für kleinere Betriebe lohnt sich zunächst der Blick auf die Wirtschaftlichkeitsrechnung Ihres Händlers, bevor eine konkrete Anfrage sinnvoll ist.

Technische Details zum Gravis Rack  |  Direktkontakt zu Gravis Robotics

Haben Sie Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Tools? Schreiben Sie es in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und greife interessante Praxisberichte in einer der nächsten Ausgaben auf.

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Zürcher Start-up lässt KI Infrastruktur-Planungen entwerfen

Das Zürcher Start-up goNeon hat Ende Juli 2026 eine Pre-Seed-Runde über 160.000 Euro abgeschlossen. Die Plattform generiert aus Ingenieuranforderungen, örtlichen Vorschriften und realen Standortbeschränkungen automatisch mehrere technisch machbare Layout-Varianten für Infrastrukturprojekte – statt dass ein Ingenieur jede Variante von Hand durchrechnet. Für Planungsbüros im DACH-Raum ist das noch ein frühes, kleines Projekt, aber ein Beispiel dafür, wie stark generative KI inzwischen auch in die technische Vorplanung vordringt. Ein öffentliches Testzugang-Angebot gibt es bislang nicht, Interessenten müssen direkt Kontakt aufnehmen.

Ingenieurkonzern Arcadis investiert direkt in Dokumenten-KI

Der weltweit tätige Ingenieurkonzern Arcadis hat Anfang August 2026 eine strategische Investition in das New Yorker Start-up Nomic bekanntgegeben. Nomic baut eine KI-Plattform, die Pläne, Leistungsverzeichnisse, Normen und internes Firmenwissen durchsuchbar macht – Aufgaben, für die Ingenieure sonst stundenlang Dokumente wälzen. Bemerkenswert: Arcadis investiert hier nicht nur als Pilotkunde, sondern direkt mit eigenem Kapital – ein Signal, wie ernst große Planungsbüros diese Kategorie inzwischen nehmen. Für DACH-Planungsbüros lohnt sich die Beobachtung, auch wenn Nomic aktuell keinen europäischen Vertrieb hat.

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Quellen:

Sifted: SoftBank eyeing acquisition of ETH spinout Gravis

Tech Funding News: SoftBank eyes 500-Millionen-Dollar-Deal für Gravis Robotics

iVT International: Case Study Gravis Robotics x KTEG

Gravis Robotics: Produktseite Rack

Bricks & Bytes: ConTech-Funding-Rundschau 3. August 2026 (goNeon, Nomic, Gravis)

New Civil Engineer: Gravis Robotics secures funding to roll out automated excavators

Impressum  |  Datenschutz  |  Günther Prell, Hochvogelweg 5, 84034 Landshut, [email protected]

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