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Credit © Aleksej Keksel

Ausgabe 54: Der größte 3D-gedruckte Bau der Welt steht in einer Kleinstadt im Schwarzwald
KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 54
Der größte 3D-gedruckte Bau der Welt steht in einer Kleinstadt im Schwarzwald

Diese Woche geht es um einen Rohbau, der komplett ohne Schalung entsteht – und darum, wo die Genehmigungshürde für diese Bauweise in Deutschland aktuell noch liegt. Dazu zwei kurze Meldungen aus KI-gestützter Angebotsprüfung und Baukalkulation.

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Analyse: 3D-Betondruck im Gewerbebau

Ein Supermarkt-Rohbau kostet im klassischen Verfahren Wochen allein für Schalung und Mauerwerk – Zeit, die bei Bauzinsen, Mietausfall und dem anhaltenden Fachkräftemangel am Bau direkt Geld kostet. Wände hochziehen gehört nach wie vor zu den personalintensivsten Abschnitten im Rohbau. Genau hier setzt ein Projekt in Baden-Württemberg an, das über den Status eines weiteren Pilotversuchs hinausgeht.

In Neubulach im Nordschwarzwald drucken mobile Großraumroboter derzeit die Wände eines Supermarkts für Netto Marken-Discount – Schicht für Schicht, direkt aus dem Fahrmischer, ganz ohne Schalungsplatte. Ausführendes Unternehmen ist NELCON, ein Joint Venture von ZÜBLIN und dem Stuttgarter Technologieanbieter INSTATIQ, dessen mobiler Drucker INSTATIQ P1 mit einem 26 Meter langen Mastausleger arbeitet. In einzelnen Bauphasen kamen erstmals zwei dieser Drucker parallel zum Einsatz. Auf rund 1.700 m² Grundfläche entstehen so mehr als 1.300 m² gedruckte Wandfläche und rund 292 m³ Druckbeton, bei Wandhöhen von bis zu 7 Metern – nach Angaben der Projektpartner aktuell das größte realisierte 3D-gedruckte Gebäude weltweit. Der Wandrohbau inklusive baulicher Schnittstellen war nach rund vier Wochen fertig. Baustofflieferant Heidelberg Materials setzt dabei erstmals den Zement evoZero in Kombination mit mobilem 3D-Betondruck ein: Das CO₂ wird im Zementwerk Brevik in Norwegen abgeschieden und dauerhaft unter dem Meeresboden der Nordsee gespeichert, ohne dass die Rezeptur des Druckbetons angepasst werden muss.

Was am Verfahren technisch anders ist

NELCON druckt tragende Wände im sogenannten Vollwanddruck-Verfahren mit handelsüblichem Normbeton nach DIN EN 206-1 i. V. m. DIN 1045-2 – aus jedem beliebigen Mischwerk, ohne Spezialmörtel und ohne Beschleuniger. Nur hochbelastete Bauteile wie Stützen und Ringbalken entstehen weiterhin in konventioneller Schalungstechnik, um die statischen Vorgaben der Tragwerksplanung zu erfüllen.

Die Eckdaten im Überblick

✓ Wandrohbau inkl. baulicher Schnittstellen in ca. 4 Wochen realisiert
✓ Über 1.300 m² gedruckte Wandfläche, bis zu 7 m Wandhöhe, ohne Schalung
✓ Handelsüblicher Normbeton statt teurem Spezialmörtel – laut NELCON deutlich günstiger als das alternative Schalungsdruck-Verfahren
✓ CO₂-reduzierter Zement evoZero senkt den Fußabdruck, ohne die Betonrezeptur zu verändern
✓ Laut NELCON bis zu 80 % weniger manuelle Arbeit und rechnerisch verdoppelte Baugeschwindigkeit bei tragenden Wänden (herstellerseitige, projektübergreifende Angabe)

Kurz erklärt: Vollwanddruck vs. Schalungsdruck

Beim 3D-Betondruck gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Verfahren. Der Vollwanddruck, den NELCON hier einsetzt, druckt die tragende Wand direkt aus Normbeton in einem Arbeitsschritt – der Beton härtet so schnell an, dass er sofort das Gewicht der nächsten Schicht trägt. Beim alternativen Schalungsdruck druckt ein Roboterarm zunächst nur eine dünne, verlorene Schalung aus schnell härtendem Spezialmörtel, die anschließend konventionell mit Beton verfüllt wird. Der Vollwanddruck braucht dafür keinen teuren Spezialmörtel, stellt aber höhere Anforderungen an die Betonrezeptur: Sie muss gleichzeitig pumpfähig und sofort formstabil sein.

Nicht unumstritten: Für die Bauart 3D-Betondruck existiert in Deutschland noch keine allgemeine Bauartgenehmigung (aBG). Laut eigener Angabe von NELCON muss deshalb für jedes einzelne Projekt eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung (vBG) beim zuständigen Regierungspräsidium eingeholt werden – ein Verfahren, das Planungsvorlauf kostet und die Terminsicherheit einschränkt, gerade wenn kurzfristig gebaut werden soll. Wer diese Bauweise für ein eigenes Projekt erwägt, sollte die Genehmigungsfrage ganz am Anfang klären, nicht erst nach der Entwurfsplanung.

Handlungsempfehlung

Für GF mit anstehendem Filial-, Lager- oder Gewerbehallenbau lohnt sich ein früher Check: Passt die Gebäudegeometrie zum Vollwanddruck-Verfahren, und wie lange dauert die vorhabenbezogene Bauartgenehmigung im eigenen Bundesland realistisch? Beide Fragen lassen sich am direktesten mit den Projektbeteiligten klären.

3D-Betondruck live erleben: INSTATIQ, NELCON, AS-Bau und Emslandbeton laden am 23. Juli 2026, 10:00–12:30 Uhr, auf eine aktive Baustelle in Detmold ein.
Direkter Kontakt für Projektanfragen: Chris Brandstätt, Technischer Geschäftsführer NELCON.

Haben Sie Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Tools? Schreiben Sie es in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und greife interessante Praxisberichte in einer der nächsten Ausgaben auf.

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Angebotsprüfung: US-Startup lässt KI drei Wochen Vorkalkulation an einem Nachmittag erledigen

Pläne lesen, Widersprüche finden, Mengen ermitteln, Rückfragen an die Planung formulieren und Nachunternehmerangebote vergleichen – klassisch die Arbeit eines Schätzers über mehrere Wochen. Das US-Startup Boon AI hat Mitte Juli ersten Nutzern Zugang zu seinem „Boon Agent" gegeben: Das System arbeitet komplette Planungsunterlagen selbstständig durch, prüft Spezifikationen und liefert am Ende ein bietfertiges Paket. Laut einem in der Ankündigung zitierten Anwender bei Guido Construction schrumpft allein das Durcharbeiten eines Leistungsbuchs von drei Tagen auf wenige Minuten. Der Zugang läuft ohne Passwort und Beschaffungsprozess über eine einzige E-Mail. Für DACH-Bauunternehmen mit chronischem Kalkulationsengpass zeigt das Beispiel, in welche Richtung sich Angebotsbearbeitung als Nächstes entwickelt.

Baukalkulation: KI schlägt Angebotspreise vor – ganz ohne Cloud

Wer regelmäßig GAEB-Ausschreibungen kalkuliert, kennt das Problem: Trotz jahrelanger Angebotshistorie beginnt jedes Leistungsverzeichnis wieder bei null. Der neue KI-PreisNavigator für GAEB-Online 2025 wertet die eigenen, bereits abgegebenen Angebote lokal auf dem PC aus und schlägt bei neuen Ausschreibungen passende Einheitspreise vor – laut Anbieter 30 bis 60 Minuten Ersparnis pro Leistungsverzeichnis mit rund 200 Positionen. Die Kalkulationsdaten verlassen dabei zu keinem Zeitpunkt das Unternehmen: keine Cloud-Anbindung, kein anonymer Marktdurchschnitt. Verfügbar seit 1. Juni 2026, mit kostenloser Testphase; danach im Abo-Modell mit einem Jahr Mindestlaufzeit buchbar.

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Quellen

Pressemitteilung: Weltweit erster Supermarkt aus dem 3D-Betondrucker (Netto Marken-Discount, presseportal.de)
INSTATIQ: Projektseite Neubulach
NELCON: Verfahren, Projekte & FAQ (inkl. Hinweis zur Bauartgenehmigung)
bau.bi: Weltpremiere in Neubulach – Roboter drucken Netto-Supermarkt
INSTATIQ: Anmeldung Live-Event 3D-Betondruck, 23.07.2026, Detmold
PR Newswire: Boon AI opens early access to its AI estimator
GAEB-Online Blog: KI-basierte Preisvorhersagen für Ihre Angebote
GAEB-Online: Produktseite KI-PreisNavigator

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