|
KI-Radar Bau & Immobilien · Ausgabe 53
|
|
Betonsanierung frisst Fachkräfte, die es gar nicht mehr gibt
|
|
|
Brücken, Parkhäuser, Tunnel: Überall in Deutschland bröckelt Beton, und überall fehlt Personal, das ihn fachgerecht abträgt. Ein Team aus München zeigt, wie sich einer der unbeliebtesten Jobs am Bau automatisieren lässt – noch als Prototyp, aber mit einem echten Ansatzpunkt für Bauunternehmen mit Sanierungsbedarf.
|
|
FachKI liefert mindestens 3x pro Woche eine konkrete KI-Anwendung aus Bau und Immobilien direkt in Ihr Postfach – kostenlos, ohne Umwege, mit echten Quellen.
|
|
|
|
|
Analyse: Autonomer Betonsanierungs-Roboter
|
Der Sanierungsstau bei Betoninfrastruktur in Deutschland liegt laut KfW im Bereich mehrerer hundert Milliarden Euro. Brücken, Tiefgaragen, Parkhäuser, Tunnel – überall muss maroder Beton abgetragen werden, bevor überhaupt neu gebaut werden kann. Der Job gilt als einer der unbeliebtesten am Bau: Hochdruckwasserstrahlen mit bis zu 3.000 bar, Dauerlärm, Vibration, und die ständige Anforderung, exakt so viel Substanz zu entfernen wie nötig – nicht mehr und nicht an der falschen Stelle. Fachkräfte, die diese Arbeit über Jahre gesund durchhalten, werden seltener.
Genau hier setzt Sitegeist Robotics an, ein Spin-off der Technischen Universität München (TUM), ausgegründet 2025 aus dem Lehrstuhl für Robotik, Künstliche Intelligenz und Echtzeitsysteme von Prof. Matthias Althoff. Das Gründungsteam um CEO Dr. Lena-Marie Pätzmann, CTO Julian Hoffmann, COO Nicola Kolb und CPO Claus Carste hat einen mobilen Roboter entwickelt, der maroden Beton per Hochdruckwasserstrahl abträgt – bei einer ersten Baustellen-Demo unter dem Spitznamen "Rüdiger" bekannt geworden.
|
|
Sensorik statt Dauer-Fernsteuerung
|
|
Der Markt für Abbruch- und Sanierungsroboter wird seit Jahrzehnten von skandinavischen Herstellern wie Brokk, Aquajet und Conjet dominiert – robuste Maschinen, die aber tele-operiert sind, also permanent von einer Fachkraft ferngesteuert werden müssen. Ein vergleichbares autonomes System ist im DACH-Raum [Deutschland, Österreich, Schweiz] aktuell nicht bekannt – Sitegeist ist hier selbst der DACH-Fall. Technologisch geht das Münchner Team einen Schritt weiter als die skandinavischen Platzhirsche: Über LiDAR [Laserscanner zur Umgebungserfassung], Kamera und weitere Sensorik erfasst der Roboter Unebenheiten im Beton selbstständig und passt seine Arbeitsweise in Echtzeit an – ein digitales 3D-Modell des Bestandsbauwerks ist dafür nicht notwendig. Perspektivisch soll eine Fachkraft so mehrere Roboter gleichzeitig überwachen können, statt einen Roboter im Dauereinsatz zu bedienen.
|
|
Was die Plattform mitbringt
|
• Autonomer statt permanent ferngesteuerter Betrieb
• Kein Dauerlärm- und Vibrationsrisiko mehr für Bedienpersonal
• Modulare Plattform – auch für Sandstrahlen und Bohren nutzbar
• Passt Arbeitsweise in Echtzeit an, ohne vorheriges digitales Gebäudemodell
|
|
|
Praxis-Stand: fünf Prototypen, echte Baustellen
|
|
In der Garchinger Werkstatt sind mittlerweile fünf Roboter-Generationen entstanden, jede laut CEO Pätzmann leistungsfähiger als die vorherige. Getestet wird nicht im Labor, sondern im Auftrag privater Baufirmen auf echten Baustellen. Im Februar 2026 schloss Sitegeist eine Pre-Seed-Finanzierung über 4 Millionen Euro ab, angeführt von den VCs b2venture und OpenOcean, mit Beteiligung des Funding-for-Innovators-Fonds der UnternehmerTUM sowie der Business Angels Verena Pausder und Lea-Sophie Cramer. Bereits 2025 gewann das Team unter dem Projektnamen Aiina Robotics die "Golden Pretzel" und den "Munich Startup Special Prize" bei der Bits & Pretzels-Konferenz.
|
|
Wie der Roboter auf der Baustelle aussieht, zeigt ein kurzes Video: Sitegeist: Revolution auf der Baustelle (YouTube Shorts).
|
|
Nicht unumstritten: Der Roboter ist noch keine marktreife Lösung. Fünf Prototypen sind gebaut, aber die CE-Zertifizierung [Konformitätsnachweis für den europäischen Wirtschaftsraum] steht noch aus, ebenso der Nachweis, dass die Technik mehrere Wochen am Stück im Dauereinsatz zuverlässig arbeitet. Laut CEO Pätzmann ist Serienproduktion frühestens nach der nächsten oder übernächsten Finanzierungsrunde realistisch. Für die eigene Baustelle heißt das aktuell: eher Pilotprojekt-Anfrage als Bestellung.
|
|
Handlungsempfehlung
|
|
Wenn Sie Brücken, Parkhäuser, Tiefgaragen oder andere Betoninfrastruktur mit absehbarem Sanierungsbedarf im Bestand haben: Sitegeist sucht aktiv neue Testflächen und Co-Development-Partner. Das ist kein Produkt von der Stange, sondern die Chance, ein Verfahren früh mitzugestalten, bevor es CE-zertifiziert und breit verfügbar ist – mit allen Chancen und Unsicherheiten, die das mit sich bringt.
|
|
|
→ Kontakt für Pilotprojekt-Anfrage bei Sitegeist
|
|
Haben Sie Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Tools? Schreiben Sie es in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und greife interessante Praxisberichte in einer der nächsten Ausgaben auf.
|
|
|
Die nächste Ausgabe ist schon in Arbeit
|
|
|
|
|
|
KI verkürzt Sanierungsentscheidungen von Tagen auf Minuten
|
|
Rund 75 Prozent der deutschen Wohngebäude wurden vor der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat mit der Plattform NaiS eine KI-Anwendung entwickelt, die Fotos, Grundrisse, Textdokumente und Statikdaten automatisch zusammenführt und als 3D-Modell auswertet. In Tests mit 104 Nutzern sank die Bearbeitungszeit von rund 16 Arbeitsstunden auf 10 bis 20 Minuten – eine 50-fache Beschleunigung. 93 Prozent der Tester bestätigten einen klaren Mehrwert. Projektpartner waren unter anderem Ed. Züblin AG und Concular GmbH, verfügbar ist die Plattform jetzt über die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
|
|
|
|
Ein KI-Roboter verputzt Decken in einem 225 Jahre alten Baudenkmal
|
|
Deckenverputzen mit Lehm gilt als eine der gesundheitsschädlichsten Bauarbeiten – nach rund 3.600 Arbeitsstunden Überkopfarbeit drohen als Berufskrankheit anerkannte Schulter- und Nackenschäden. Die frühere Design-Professorin Aleksandra Konopek testet in ihrem eigenen, denkmalgeschützten Schieferhaus im Bergischen Land, ob ein KI-trainierter Roboter diese Arbeit übernehmen kann. Trainiert wird mit sogenannten Visual Language Action Models [KI-Modelle, die Bild-, Bewegungs- und Sprachdaten kombinieren]. Der erste Testlauf scheiterte am zu trockenen Lehm, der zweite hielt. Bis zur Marktreife rechnet Konopek mit rund zwei Jahren – Gewicht und Beweglichkeit in engen Altbau-Treppenhäusern bleiben offene Baustellen im wörtlichen Sinn.
|
|
|
|
Die nächste Ausgabe ist schon in Arbeit
|
|
|
|
|
|
Impressum · Datenschutz
FachKI · KI-Radar Bau & Immobilien · Günther Prell, Hochvogelweg 5, 84034 Landshut · [email protected]
|