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Picture: Graphisoft

Ausgabe 52: KI-Radar Bau & Immobilien
KI-Radar Bau & Immobilien
Wer im BIM-Modell ein Kundengefühl braucht, aber keine drei Tage für ein Rendering hat
Ein Architekturbüro bekommt vom Bauherrn den Auftrag: "Zeigen Sie mir drei Varianten der Fassade – bis Freitag." Klassisch bedeutet das: drei vollständige 3D-Modelle, mehrere Stunden Renderzeit, ein Grafiker im Hintergrund. Genau an diesem Punkt setzt Graphisoft mit einer KI-Funktion an, die direkt in der BIM-Software [Building Information Modeling – digitale Gebäudemodellierung] steckt, die viele DACH-Büros ohnehin schon nutzen.
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Analyse: KI-Bildgenerierung direkt im BIM-Entwurfsprozess
Der Vorentwurf ist der teuerste Moment im Projekt für die Kundenkommunikation: Der Bauherr will "sehen", nicht nur Grundrisse lesen. Klassisch bindet das genau die Kapazität, die im Mittelstand am knappsten ist – die Zeit erfahrener Planer für Detailarbeit statt für Präsentationsgrafik.
Graphisoft, Hersteller der in DACH weit verbreiteten BIM-Software Archicad, hat genau hier angesetzt: Der AI Visualizer erzeugt aus einem einfachen Massenmodell und einem Textprompt fotorealistische Renderings oder Stilstudien – direkt in der gewohnten Arbeitsumgebung, ohne Zusatzsoftware. Mit der aktuellen Version Archicad 29 (2026) ist daraus AI Visualizer 2.0 geworden: Texturen, Objektfreistellung und 4-fache Auflösungssteigerung kommen dazu. Parallel läuft der neue AI Assistant als Chat-Funktion im Beta-Status, der Modellelemente per Sprachbefehl filtert und Planungsfragen beantwortet.
Was das Tool heute leistet:
  • Direkt in Archicad integriert – kein Zusatz-Tool, kein separater Login
  • Cloud-basiert seit Version 28: keine starke Hardware nötig
  • Version 29 (2026): Texturen, Objekt-Freistellung, 4x-Auflösung, Sketch-zu-Rendering
  • AI Assistant (Beta): filtert BIM-Elemente per Sprachbefehl, beantwortet Planungsfragen
  • Verfügbar für Archicad Collaborate- und Studio-Abonnenten
Technischer Hintergrund: Das Tool basiert auf Stable Diffusion, ergänzt durch Graphisofts eigenes "Adaptive Hybrid Framework". Seit Version 28 läuft die Bildgenerierung vollständig in der Cloud, seit Version 27 (2023) ist die Funktion grundsätzlich verfügbar. Die Nemetschek-Gruppe – zu der neben Graphisoft auch Allplan und Vectorworks gehören – rollt die Technologie schrittweise über weitere Marken aus.
Nicht unumstritten: Im deutschsprachigen Graphisoft-Community-Forum kritisiert ein Schweizer Nutzer offen, dass sich Ergebnisse des AI Visualizer nicht reproduzieren lassen – für ein Präsentationstool mit Kundenbezug ein relevanter Einwand. Hinzu kommt: Der Cloud-Zwang seit Version 28 schließt Bestandskunden mit klassischer Dongle-Lizenz faktisch aus – nur Collaborate- und Studio-Abonnenten haben Zugriff. Auch der neue AI Assistant hat eine klare Lücke für DACH-Nutzer: Die Regelwerksprüfung deckt aktuell ausschließlich britisches Baurecht ab, deutsche oder österreichische Normen fehlen bislang komplett.
Handlungsempfehlung: Wer bereits mit Archicad arbeitet, sollte klären, ob die eigene Lizenz (Perpetual/Dongle vs. Collaborate-Abo) den Zugriff überhaupt zulässt – das entscheidet, ob eine Testphase möglich ist. Für alle anderen lohnt die Frage: Wie viel Planerzeit fließt aktuell in reine Präsentationsgrafik für Kunden, die durch ein integriertes KI-Tool wegfallen könnte?
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Haben Sie Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Tools? Schreiben Sie es in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und greife interessante Praxisberichte in einer der nächsten Ausgaben auf.
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ALLPLAN und elevait: KI soll Licht in verstreute Planarchive bringen
ALLPLAN (ebenfalls Nemetschek-Gruppe) kooperiert mit dem Start-up elevait, um KI-gestützte Volltextsuche über Jahre gewachsene Planarchive zu legen. Produktmanager Stefan Kaufmann beschreibt das Kernproblem treffend: Die Daten sind da, aber in Zehntausenden Plänen praktisch nicht auffindbar. Zusätzlich in Planung: automatische 3D-Modell-Erstellung aus 2D-Fotos für die Bestandsaufnahme bei Renovierungen. Für Büros mit großem Altbestand an Plänen ein Ansatz, den man im Auge behalten sollte – aktuell allerdings noch ohne konkretes Produkt zum Testen.
Nemetschek verbindet Archicad direkt mit Autodesk Forma
Auf der AIA-Konferenz im Juni 2026 kündigte Graphisoft eine native Anbindung von Archicad an Autodesk Forma an – Modelle, Dokumente und Projektinformationen sollen künftig ohne Formatbrüche zwischen beiden Umgebungen fließen. Für Büros, die heute zwischen Archicad- und Autodesk-Welten wechseln müssen, verspricht das weniger manuelle Konvertierung. Konkrete Verfügbarkeit: ab Herbst 2026 im Rahmen eines größeren Produkt-Updates.
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Quellen:
Graphisoft AI Solutions
AEC Magazine: Graphisoft Design Intelligence Strategy (Juni 2026)
Architosh: Product Review Archicad 29 (Februar 2026)
Graphisoft Community: Nutzerdiskussion AI Visualizer
Nemetschek: Archicad Collaborate Pressemitteilung
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